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Zehn Jahre Haft wegen Oralsex
Die unglaubliche Geschichte des Genarlow Wilson
Auf einer feuchtfröhlichen Silvesterparty hatte Genarlow Wilson im Alter von 17 Jahren im US-Bundesstaat Georgia Oralsex mit einer 15-jährigen Freundin. Darauf stehen in Georgia zehn Jahre Haft. Nach zwei Jahren wollte ein Richter ihn jetzt freilassen - aber ein Staatsanwalt legte Widerspruch ein.
Jubelschreie waren von Mutter und Freunden zu hören, als bekannt wurde, dass der Sohn nach zweieinhalbjähriger Haft früher als erwartet aus dem Gefängnis entlassen werden soll. Das war am vergangenen Montag. Kurz zuvor hatte ein Richter des US-Bundesstaates Georgia entschieden: Das Urteil gegen Genarlow Wilson wird als verfassungswidrig aufgehoben.
Freude, Umarmungen, Luftsprünge. Der Rechtsanwältin des heute 21-Jährigen kommen die Tränen. Sie ist in den Jahren des Verfahrens und der Haftverbüßung längst zu einer guten Freundin von Genarlow geworden: "Wir haben gerade die Anordnung des Richters erhalten: Er hat die Freilassung von Genarlow Wilson verfügt." Doch die Freude dauerte nicht lange. Kurz nach der positiven Nachricht legte der Generalstaatsanwalt von Georgia Widerspruch gegen die Entscheidung ein, mit der Folge, dass Genarlow weiter in Haft bleiben muss. Wieder Tränen. Wieder Trauer. Wieder Fassungslosigkeit.
Eine Rückblende: Es war der 31. Dezember 2004, eine Silvesterparty von Schülern einer Highschool in Atlanta. Es war keine ganz normale Party, es ging hoch her in dieser Neujahrsnacht. Es gab was zu trinken, man rauchte Marihuana. Je später die Stunde, desto wilder wurde es. Die Jugendlichen hatten Sex miteinander. Am Tag danach erstattete eine 17-Jährige Anzeige wegen Vergewaltigung. Doch die Vorwürfe wurden schnell fallengelassen - die Orgie war auf einem Video festgehalten worden und darauf war deutlich zu sehen, dass die Klägerin zu nichts gezwungen wurde, sie tat alles freiwillig.
Trotzdem wurde gegen die jungen Männer ermittelt. Der Grund: Missbrauch Minderjähriger. Fünf der Beklagten bekannten sich schuldig, dass sie Sex mit den jungen Mädchen hatten und handelten mit dem Gericht geringe Haftstrafen aus. Nach der Rechtslage in Georgia gelten sie nun aber ihr Leben lang als Sextäter und werden in dem öffentlich einsehbaren Register für Sexualverbrecher geführt.
Kopfschütteln über Urteil
Genarlow war hierzu nicht bereit. Ich habe nichts Verbotenes getan - sagte er vor Gericht. So wurde ihm zum Verhängnis, dass er mit einer erst 15-Jährigen Oralverkehr hatte - und darauf stehen in Georgia zehn Jahre Haft. Selbst in den eher prüden Vereinigten Staaten schüttelten alle den Kopf über dieses unverhältnismäßige Urteil gegen den damals 17-Jährigen - aber der Richter berief sich auf das Kinderschändergesetz. "Er wurde wegen des Vorwurfes der Vergewaltigung freigesprochen, er wurde lediglich verurteilt wegen Oralsex, der im Einverständnis mit dem Mädchen stattgefunden hat. Wenn alle unsere Kinder wegen so etwas eingesperrt würden - dann kann ich nur sagen: Hilf uns Gott!", sagt die Rechtsanwältin Brenda Joy Bernstein.
Auch die Abgeordneten des Parlaments von Georgia haben inzwischen das antiquierte Gesetz durch einen so sogenannten "Romeo- und Julia" Paragraphen ergänzt. Jugendliche machen sich inzwischen nicht mehr strafbar, wenn sie sich sexuell näher kommen. Doch das Problem ist: Das Gesetz kann nicht rückwirkend in Kraft gesetzt werden. Und so muss Genarlow weiter sitzen. Manche meinen, das rücksichtslose Vorgehen gegen diesen Jugendlichen habe auch damit zu tun, dass er Afro-Amerikaner ist.
Donnerstag, 14. Juni 2007
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